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Das Messer in den Tuchhallen

Im Durchgang der Tuchhallen hängt ein eisernes Messer an einer Kette. Jeder Stadtführer hat eine andere Geschichte dazu.

MMagdalena3 Min. Lesezeit

Betritt die Tuchhallen von der Marienkirche her und schau nach oben, rechts vom Eingang. An einer Kette hängt ein altes eisernes Messer. Es hängt dort seit Jahrhunderten, und niemand ist sich sicher, warum.

Erste Version, die bekannteste: Es ist das Messer vom Marienturm. Zwei Brüder bauten die Türme der Kirche; der ältere schneller, also erstach ihn der jüngere aus Neid mit diesem Messer und stürzte sich danach vom Turm. Das Messer wurde zum Andenken und zur Warnung aufgehängt. Das passt zu den ungleichen Türmen, aber nicht zu den Daten: Die Türme entstanden um 1400, die Legende taucht erst im 19. Jahrhundert auf.

Zweite Version, die historische: Das Messer ist ein Zeichen des Magdeburger Rechts, nach dem in Krakau Recht gesprochen wurde. Dieses Recht bestrafte Diebe auf dem Markt mit dem Abschneiden eines Ohrs, und das Messer hing dort, wo das Urteil vollstreckt wurde, als Mahnung. In vielen deutschen Städten hingen ähnliche Henkersmesser an den Rathäusern.

Dritte Version, die der Kaufleute: In den Tuchhallen wurde Tuch gehandelt, und mit dem Messer schnitt man das Maß. Ein Verkäufer, der bei der Länge betrog, verlor die Hand, durch das Messer. Diese Version ist die unwahrscheinlichste, wird aber Kindern am liebsten erzählt.

Das Messer ist echt und alt, wie der Rost zeigt. Welche Geschichte du wählst, bleibt dir überlassen. Die Krakauer sagen, eine gute Legende sei wichtiger als die Wahrheit, und die Tuchhallen sind der beste Beweis: In dem Gebäude, in dem sechshundert Jahre lang Tuch verkauft wurde, verkauft man heute Bernstein, und oben hängen die Gemälde Matejkos.

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