Ein Park anstelle der Mauern
Die Planty umschließen die Altstadt als grüner Ring. Sie entstanden aus Abriss, Kompromiss und einer einzigen Hartnäckigkeit.
Vier Kilometer Wege, 21 Hektar, dreitausend Bäume, und darunter ein zugeschütteter Graben und die Fundamente der Mauern, die Krakau fünfhundert Jahre lang schützten. Die Planty sind ein Park, der zugleich ein Stadtplan ist: Wer sie entlanggeht, folgt genau der Grenze, die 1257 abgesteckt wurde.
Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Mauern eine Ruine. Die österreichischen Behörden erklärten sie für überflüssig und unhygienisch: Im Graben stand stinkendes Wasser, zwischen den Türmen wuchs Unkraut. 1807 fiel die Entscheidung zum Abriss. In zwanzig Jahren verschwanden Türme, Tore und Mauern: drei Kilometer Befestigungen, 47 Türme, acht Tore.
Erhalten blieb wenig, und das nur dank Professor Feliks Radwański. Er überzeugte den Senat der Freien Stadt, dass ohne Mauern im Norden der Wind Staub und Krankheiten auf den Markt wehen und den Frauen auf dem Weg zur Kirche die Röcke heben würde. Das Argument wirkte: Florianstor, Barbakane und ein Mauerstück mit drei Türmen stehen bis heute.
Anstelle des Übrigen entwarf Florian Straszewski, Krakauer Beamter und Gartenliebhaber, einen Park. Er pflanzte Bäume, legte Wege an und zahlte jahrelang aus eigener Tasche dazu. Ein Obelisk unterhalb des Wawel erinnert heute an ihn. Der Name Planty kommt von plantowanie, dem Einebnen des Geländes, nicht von Pflanzen.
Am schönsten sind die Planty am frühen Morgen, bevor der Markt erwacht. Dann sieht man, was Touristen meist entgeht: Studenten mit Büchern vor dem Collegium Novum, Nonnen auf dem Weg zum Gródek, ältere Herren beim Schach und Tauben, die die Bänke besetzen wie Stammgäste. Und man versteht, warum die Krakauer sagen, die Planty seien der größte Salon der Stadt.