Die Stadt vier Meter tiefer
Unter dem Hauptmarkt liegt ein zweites Krakau: Straßen, Buden und ein Friedhof, über die man vor siebenhundert Jahren ging.
Der Hauptmarkt misst 200 mal 200 Meter und liegt seit 1257 an derselben Stelle. Aber nicht auf derselben Höhe. Jahrhundertelang schütteten die Bewohner hier Schutt, Asche und Abfall ab, pflasterten den Platz neu, und die neuen Schichten bedeckten die alten. Der heutige Markt liegt etwa vier Meter höher als der Markt zur Zeit Kasimirs des Großen.
Wirklich erfahren haben wir das erst zwischen 2005 und 2010, als Archäologen den östlichen Teil des Platzes aufgruben. Man erwartete ein paar Fundamente. Gefunden wurde eine ganze mittelalterliche Stadt: gepflasterte Gassen, Werkstätten, Kaufmannsbuden mit erhaltenen Waagen, Wasserleitungen aus ausgehöhlten Stämmen und unter der Adalbertkirche ein Friedhof mit Gräbern sogenannter Vampire, mit dem Gesicht nach unten begraben und Steinen auf der Brust, damit sie nicht aufstehen.
2010 wurde hier der Untergrund des Hauptmarkts eröffnet, eines der interessantesten Museen Polens. Man besichtigt ihn genau auf der Höhe der mittelalterlichen Straße, zwischen den Originalmauern der Buden, während man über sich durch Glasdecken die Beine der Passanten auf dem heutigen Markt sieht. Nebel, Licht und Projektionen lassen den Markt von vor sieben Jahrhunderten entstehen, und in den Vitrinen liegt, was die Menschen damals verloren: Bleiplomben der Kaufleute, Münzen aus ganz Europa, Würfel, ein Kinderschuh.
Am bewegendsten ist die Waage. Die Große Waage stand mitten auf dem Markt, und jede Ware, die in die Stadt kam, musste auf ihr gewogen und verzollt werden. Sie machte Krakau zur reichen Stadt. Heute ist ihr Umriss im Pflaster des Platzes markiert, und ihre Fundamente sind im Untergrund zu sehen.
Ein Tipp: Die Karten gelten für eine bestimmte Uhrzeit und sind oft Tage im Voraus ausverkauft, vor allem im Sommer. Dienstags ist der Eintritt frei, also am schwierigsten. Der Eingang ist in den Tuchhallen, auf der Seite der Marienkirche.